Unser Haus mit Rutsche [Rezension]
Titel: Unser Haus mit Rutsche Autor: Safia Al Bagdadi Verlag: Hanser Seiten: 320 Erscheinungsjahr: 2026 ISBN: 978-3-446-28284-1 Genre: Roman des Lebens, zeitgenössische Literatur Art: fester Einband
"Ich muss aufschreiben, was damals alles passiert ist. Vielleicht ändert sich dann etwas. " Laylas Eltern sind das glamouröseste Liebespaar der Welt – oder zumindest Saarbrückens. Ihr irakischer Vater hat ständig neue spektakulär scheiternde Geschäftsideen und verspricht seiner staunenden Familie zugleich Umzüge nach New York, ein Haus mit Rutsche in den Tigris, eine große Zukunft. Ihre französische Mutter dagegen stammt aus dem nobelsten Bürgertum, rebelliert gegen ihr Elternhaus und trägt dabei doch Chanel Nº5. Alles in dieser Familie kann nur schiefgehen und ist dennoch für einige Kindheitsjahre ungeheuer leicht und wunderschön. Dann bricht 1991 der Golfkrieg aus. Eingeholt von der Realität, wird Laylas Vater ein Fremder.
Ich bin davon überzeugt, dass dieses Buch vielen Menschen, die sonst immer zwischen den Stühlen stehen, für 300 Seiten ein Zuhause schenken kann, mit dem sie sich identifizieren können. Hier geht es nicht einfach nur um eine Vater-Tochter-Beziehung, sondern auch darum, seine eigene Identität zwischen zwei Kulturen zu finden, von denen gesagt wird, sie könnten nicht zusammen existieren. Aber beide sind sie Teil von einem. Ungelogen: Des Öfteren habe ich während des Lesens Momente der Katharsis verspürt, nicht selten fand ich mich selbst auf einer Therapie-Couch wieder. Angenehm, wenn das Lesen über reine Unterhaltung hinaus noch weitere Ziele verfolgt. Das gesponnene Netz an Figuren hätte spannender nicht sein können, ich mochte die mysteriöse Tiefe, die ihnen durch die tief verstrickte Erzählerin verliehen wurde. Ich bin ein großer Fan aus den fragmentarischen Erinnerungshappen, die erst am Ende ein vollständiges Bild der Geschichte ergeben, wenn überhaupt. Für meinen Geschmack hätte es am Ende noch weitergehen können. Aber die Autorin hat sich für ein Ende entschieden, was gerade groß in Mode ist und auch sehr gut passte, allerdings ein klein wenig vorhersehbar war. Das Wechselspiel aus Vorausdeutungen und Verknüpfungen bzw. Wiederaufgreifen von gestreuten Anekdoten hat mich dagegen sehr überzeugt. Auch das nahezu nahtlose Verzahnen der zeitlichen Ebenen garantiert einen großen Lesespaß, zumal das Setting in den Achtzigern neben Nostalgie auch einen ereignisreichen gesellschafts-politischen Rahmen bietet. Weniger gefallen hat mir dagegen der Schreibstil. Es hat leider einige Zeit gedauert, bis ich warm mit ihm wurde und ich bin fest davon überzeugt, dass er sich wirklich über das Buch hinweg gebessert hat und am Ende doch durch seine Individualität überzeugen konnte. Aber erst erwies er sich als aufgesetzt, mühselig und vor allem viele Dialoge wirkten gestellt. Was dagegen besonders positiv heraussticht, ist das subtile Einbinden sprachlicher Bilder und das Spiel mit fantastischen und klaren Momenten der Erinnerung in Form einer Art Bewusstseinsstrom. Hervorzuheben ist auch eine Besonderheit im Aufbau des Buches: Die vielen verheißungsvoll betitelten Unterkapitel, die nicht nur den Lesefluss anregen, sondern auch den fragmentarischen Charakter befeuern. Und hinter allem steht, was auch schon der Titel offenbart: Gemeinsame Träume, die eine Familie zusammenhalten bzw. implodieren lassen. Eine wirklich großartige Romanidee mit einer doch rückblickend überzeugenden Umsetzung! Jane Fonda Workouts Moonwalker ~ Michael Jackson arabische Musik Thriller ~ Michael Jackson Money's too Tight (to Mention) ~ Simply Red Help! ~ Beatles Jazzmusik It's the End of the World as We Know It ~ R.E.M.
Erst noch träge, doch dann nimmt es an Fahrt auf. Es ist mir letztendlich ziemlich nah gegangen!
(S.174) |










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