Verschollen in Palma [Rezension]

 




"Glaube und Hoffnung ist was für Narren, Tim. Und du bist kein Narr." 




Titel: Verschollen in Palma
Autor: Mons Kallentoft
Übersetzung: Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt
Verlag: Tropen
Seiten: 411
Erscheinungsjahr: 2020 (2019)
ISBN: 978-3-608-50460-6
Genre: Krimi
Art: broschierter Einband


"Oft kam Tim schon der Gedanke, dass Magaluf in einer Augustnacht sowohl von Untergang als auch von Schöpfung zeugt, aber es gibt keinen siebten Tag, um zu ruhen.
(S.13) 

 

"Die Nachricht trifft genau in dem Moment ein, als er die Wohnung verlassen will, um neue Klingen für den Rasierapparat zu kaufen. 




Eine verschwundene Tochter. Ein verzweifelter Vater. Und ein Wettlauf gegen die Zeit in der Hitze von Palma. Mons Kallentoft hat einen hochkarätigen Krimi vor atemberaubender Kulisse geschrieben. Mit einem gefallenen Helden, in dessen wüstem Innenleben sich die ganze Abgründigkeit des verlorenen Urlaubsparadieses wiederfindet.

Drei Jahre ist es her, dass Tim Blancks sechzehnjährige Tochter Emme während einer Partyreise nach Mallorca verschwand. Die Polizei hat den Fall längst abgeschlossen. Doch Tim hat sich geschworen, niemals aufzugeben – ein Versprechen, das seine Ehe zerstörte und ihn alle Zelte in Schweden abbrechen ließ. Mittlerweile arbeitet er in Palma als Privatdetektiv. Für einen Auftrag soll er die untreue Ehefrau eines deutschen Millionärs beschatten. Doch schon bald wird ihr Geliebter ermordet aufgefunden, die junge Frau verschwindet spurlos. Tim beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und gerät in die üblen Machenschaften von Mallorcas High Society. Hier, im dunklen Herzen des Urlaubsparadieses, zwischen Gier, Korruption und Gewalt, stößt er plötzlich auf eine Spur seiner Tochter. Was ist mit Emme passiert? Ist sie noch am Leben?


"Das Meer liegt an diesem Abend ruhig da, und oben auf dem Berg steht die Madonnenstatue und blickt auf die Dächer hinab und weiter über die Bucht von Palma, deren samtweiche Wasseroberfläche, weit bis nach Afrika, wo die Menschen an dem elektrischen Zaun rund um Ceuta hängen bleiben und sterben.
(S.262) 



Was diese Rezension angeht, so liegt ein ganz besonderer Fall vor: Ich schreibe sie etwa drei Jahre, nachdem ich das Buch gelesen habe, weil so viel Leben dazwischen stand. Ich hatte also mehrere Möglichkeiten: Entweder, ich verzichte auf die Rezension oder ich lese das Buch nochmal oder ich schreibe jetzt darüber, woran ich mich erinnern kann. 
Da ich einer Zwangsstörung gleich es überhaupt nicht haben kann, wenn ich etwas überspringe, ist die erste Möglichkeit schon einmal ausgeschlossen. Da ich gleichzeitig noch zu glauben weiß, dass der Thriller nun auch nicht überwältigend gut war, muss ich es angesichts meines Stapels ungelesener Bücher auch nicht so bald nochmal lesen. Bleibt also nur die dritte Möglichkeit und da muss ich sagen, fällt das Resultat bescheiden aus. 
Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich zu dem Protagonisten nicht so einen guten Zugang gefunden hatte und er mir aus irgendeinem Grund auf die Nerven gegangen war, ich kann mich aber auch täuschen. Was ich aber auf jeden Fall noch weiß, ist, dass es zwar spannend, aber auch ab einem gewissen Punkt vorhersehbar war. Und noch ein Punkt der mir wichtig war: Er mindert die Lust ein wenig, auf die Insel zu fliegen und Urlaub zu machen, da hier vor allem die Schattenseiten beleuchtet werden. Das war natürlich auch mal interessant, aber die menschlichen Abgründe sind schon tief... Wer aber gerne Thriller mit Urlaubskulisse liest, für den dürfte es ein solider Fund sein!

Debbie Harry
OMI - Cheerleader 
Smokin' in the Boys Room - Mötley Crüe
better now



"Sie starrte ins Nichts. Er starrte sie an. Er schaute sie viel zu lange an, das ist ihm jetzt klar. Ein Blick darf nicht zu lange auf gewissen Dingen verweilen, sonst weiß er zum Schluss nicht mehr, was er sieht." 

(S.328f.)




Sommerlich - aber weckt nur bedingt Urlaubsgefühle ;-)

"Der ewige Schatten. Das hier ist die beste aller Welten und gleichzeitig die schlechteste, und ich weiß selbst, zu welcher der beiden ich gehöre."
(S.362)




"Und dann gibt es nur noch mich. 
Meinen Atem. 
Ein Herz, das schlägt. 
Alkohol, der getrunken wird. 
Ein Körper, der in einer kleinen Wohnung auf der falschen Straßenseite älter wird. 
Und zum Schluss die Pistole an meiner eigenen Schläfe. 
Es gibt keine andere Wahl.
(S.396f.)


 


"Aber er kann hören, dass sie ihren eigenen Worten nicht glaubt. Sie sind nur wieder eine dieser Beschwörungen, aus denen ihre gemeinsame, im Zerfall begriffene Sprache inzwischen besteht."  
(S.405)

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"Ich finde, das war richtig, dass Sie sie haben fahren lassen. Die Welt soll man kennenlernen, wenn man jung ist. So ist es nun einmal. Auch wenn es nicht alle schaffen.
(S.348)


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"Das ist eine Illusion. Er sieht etwas, aber es ist nicht das, was passiert.
(S.271)

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"Sie kennen einander. Alle hier sind miteinander verknüpft. Auf welche Art und Weise auch immer. Ein Körper, Hunderte von Köpfen. Die tausend Köpfe der Hydra.
(S.265)

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"Er hat einen Kater. Das kann sie an seiner heiseren Stimme erkennen, wie er die Worte hervorkrächzt, leise und müde, vom hinteren Teil der Zunge, als wünschte er sich, dass sie nur außerhalb der Mundhöhle existierten, nicht gegen den Gaumen vibrierten und Unruhe im Gehirn verursachten, wo es auch so schon ziemlich durcheinander hergeht.
(S.254)


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"Tim kann hören, dass sie lügt, ihre Stimme wird dann jedes Mal heller, sie zieht die Worte in die Länge, lässt sie über die Zunge rollen und unter Qualen zur Welt kommen, wie ein ungewünschtes Kind.
(S.218)


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"Du weißt wie das ist [...] Alle sind schuldig, alle sind unschuldig.
(S.125)


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"Dann bin ich der Meinung. Sie sollten versuchen, das mit ihr zu klären. Liebe ist sehr viel seltener als Untreue. Halten Sie das fest, was Sie haben, so lange es irgend geht.
(S.100f.)


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"Was ein anderer Mensch fühlt, kann man ihm letztlich nicht ansehen.
(S.98)


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